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Gesehen: The Tree of Life

geschrieben am 23. Februar 2012 von Michael Klitzsch

Eins vorweg: Ich erkenne durchaus an, was Terrence Malick mit “Tree of Life” wagt, ich finde es grundsätzlich sehr begrüßenswert, wenn ein Regisseur sich nicht mit dem Aufguss einer schon zigmal erzählten Geschichte zufrieden gibt, wenn er Visionen hat und anspruchsvolles, forderndes Kino schaffen will. Nur zu!

Das heißt aber natürlich nicht, dass ich automatisch alles mögen muss, was dabei rauskommt.

“The Tree of Life” hat unfassbar schöne Bilder. Wie nah mich Malick an die Menschen und ihre Umgebung ranlässt, das ist wirklich bemerkenswert. Wie schon in “Der schmale Grat” ist man nie nur distanzierter Beobachter, sondern durch die sehr bewegliche und dennoch so präzise Kamera dauernd ganz dicht dran, man steht neben den Figuren, klettert mit den Kindern die Bäume hoch, spickt mit ihnen durch die Vorhänge, blickt ihnen tief in die Augen. Ja, für diese Kamera ist ein Oscar fällig.

Dem Film an sich würde ich aber keinen geben. Mag sein, dass “The Tree of Life” für einige die Offenbarung ist und ich kann das ein Stück weit nachempfinden. Für mich persönlich ist “The Tree of Life” ambitioniert, aber schlussendlich nicht überzeugend. Mir ist die Exkursion zu den Sauriern und zur Geburt der Welt zu viel, mir ist das ständige bedeutungsschwangere Flüstern zu viel, die Verknüpfung der Szenen zu lose, das symbolhafte Ende zu kitschig.

Ich fühlte mich bei “The Tree of Life” von Malicks großen Thesen (Gnade, Natur) erdrückt, sie lassen mir keinen Raum, wirklich in die Welt der Familie O’Brien oder überhaupt in eine Geschichte einzutauchen. Ich sehe einen traurig dreinblickenden, Fahrstuhl fahrenden Sean Penn, einen grimmigen Papa, eine liebende Mutter, zerrissene Kinder. Aber das ist mir zu wenig und gleichzeitig zu dick aufgetragen, zu pauschal, ich hätte gern mehr Zusammenhänge, mehr Greifbares, mehr Geschichte. Stattdessen gibt es nur Schönheit, große Fragen, Symbole.

Am Ende ist “Tree of Life” wohl einfach nicht mein Film. Und Malick vielleicht auch einfach nicht mein Regisseur. Auch wenn er wunderwunderschöne Bilder auf die Leinwand zaubert.



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