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  1. Gesehen: The Avengers

    geschrieben am 11. Mai 2012 von Michael Klitzsch

    Meine Zweifel waren groß: Der Hulk, Captain America, Ironman, Thor, Black Widow, Hawkeye – so viele Superhelden in einem Topf. Kann das gutgehen? Gut, der Film hat satte 142 Minuten auf der Spule, um eine vernünftige Geschichte zu erzählen. Andererseits: Die hatte “Hunger Games”-Regisseur Gary Ross auch. Und der verdödelte sie bekannterweise ziemlich (siehe vorheriger Beitrag).

    Vorweg: “Avengers”-Regisseur Joss Whedon, Schöpfer der Vampir-Jägerin Buffy und der wunderbaren Science-Fiction-Serie Firefly, macht es viel, viel besser. Die Geschichte um sechs Superhelden, die sich zusammentun, um die Übernahme der Erde durch raffgierige Aliens zu verhindern, hat reichlich Trümpfe im Ärmel.

    Whedon weiß um die Wichtigkeit seiner Figuren – und lässt diese, bevor sie sich gemeinsam gegen das Böse wenden, erstmal ausgiebig in Rede- und Kampfduellen gegeneinander antreten. Dabei kommt es nicht nur zu einigen der coolsten Filmduelle, die die Leinwand je gesehen hat, auch die Charaktere und ihre Eigenschaften werden schön herausgeschält.

    Hierbei wird dann auch ganz klar, wer bei den Darstellern die Hosen an hat: Zum einen ist das Mark Ruffalo, der die Zerrissenheit seines Charakters zwischen dem sensiblen, gebremsten Bruce Banner und dem unkontrollierbaren Hulk hervorragend vermittelt, zum anderen ist es Robert Downey Junior, der als zynisch-forscher Egomane Tony Stark alias Ironman Ecken und Kanten zeigt und die meisten Lacher auf seiner Seite hat. Gegen die beiden fällt der Rest der Clique (Scarlett Johansson, Jeremy Renner, Chris Hemsworth und Chris Evans) zwar deutlich ab, macht aber immer noch einen ordentlichen Job.

    Neben der stimmigen Figuren-Einführung und -Duellierung glänzt Regisseur Whedon schon früh im Film mit seinen hervorragend choreographierten und wunderschön eingefangenen Action-Sequenzen, die jeden Genre-Fan freudig im Kinosessel zusammenzucken lassen. Hier kracht es nicht nur ordentlich, hier sieht der Zuschauer auch immer was wo passiert. Vorbildlich.

    Zum Finale des Films, wenn die Superhelden endlich gemeinsame Sache machen, wird nochmals kräftig an der Action-Schraube gedreht. Und ich kann nur sagen: Es ist ein großer Spaß und es sieht atemberaubend aus. Wenn Whedon dann gekonnt und wohldosiert noch ein paar nicht pseudocoole, sondern wirklich witzige Akzente setzt, ist man als Comic-Film-Fan fast wunschlos glücklich.

    Fast. Denn ein nicht ganz unwesentlicher Kritikpunkt bleibt. Der Bösewicht des Films, Alien-Anführer Loki wird gespielt von Tom Hiddleston (“Gefährten”, “The Deep Blue Sea”) und bleibt bedauerlicherweise blass und vor allem unbedrohlich. Und gerade in einem Film, in dem es der Schurke mit einem ganzen Heer an Helden aufnehmen muss, raubt das der Geschichte ein bisschen die Spannung. Man hat einfach zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, der behörnte Halbgott könne dem Superhelden-Sextett tatsächlich Paroli bieten. Ein Duell zwischen Gut und Böse auf Augenhöhe wie es etwa “The Dark Knight” so unheimlich gut getan hat, findet hier leider nicht statt. Dafür hätte es sowohl von der Figur als vom Darsteller deutlich mehr gebraucht.

    Dennoch: “The Avengers” macht vieles richtig und funktioniert über weite Strecken hervorragend. Whedon hat sich ernsthaft den Figuren angenommen, seinen wunderbaren Sinn für Humor einfließen lassen und fantastische Actionsequenzen auf die Beine gestellt. Ein lohnenswertes Kinoerlebnis.



  2. Gesehen: The Hunger Games

    geschrieben am 28. März 2012 von Michael Klitzsch

    Don’t believe the hype: So reizvoll das “Hunger Games”-Setting des dramatischen Überlebenskampfes in einer düsteren Science-Fiction-Welt im Trailer noch erscheint, so armselig ist das Endprodukt.

    Es ist wirklich erschreckend, wie wenig Regisseur Gary Ross in sagenhaften 142 Minuten zu erzählen vermag, wie viele Lücken das fahrige Drehbuch reißt, wie hektisch-schlecht die Action gefilmt wird, wie oberflächlich die Charakterzeichnungen bleiben. Wie kalt einen das alles lässt.

    Schon das Grundgerüst des Films steht schief: Wieso sollen grausame Überlebenskämpfe, bei denen sich die Kinder der unterjochten Distrikt-Bewohner brutalst hinrichten müssen, die Massen beruhigen bzw. eine Rebellion verhindern? Das macht, so wie es dargestellt wird, wenig Sinn. Mit dem stimmigen Erklären der Welt hat es Ross sowieso nicht so, vieles, über das man gern mehr erfahren hätte, bleibt auf der Strecke. Etwa jene mysteriöse Geste mit den drei Fingern, die die Distriktbewohner ihrer Katniss entgegenrecken. Ob das Ganze für Buchkundige durchschaubar ist oder nicht, spielt dabei keine Rolle, ein Film steht für sich und muss für sich stimmig sein. Das schaffen gute Literatur-Verfilmungen (siehe Lord of the Rings), die Hungerspiele schaffen es nicht.

    Besonders deutlich wird die Schwäche des Drehbuchs, wenn man die vielen offenen Fragen und wischiwaschi-Charakterzeichnungen dem gegenüberstellt, mit dem reichlich Screentime verplempert wird. So wird mir allen Ernstes in drei Minuten zweimal erklärt, dass eine gewisse Wespenart durch ihre Stiche Halluzinationen beim Opfer erzeugt. Auch verbringt der Film viel zu viel Zeit mit nichtssagenden Dialogen, hektisch gefilmter Action und Closeups von Fleischwunden. Es ist bemerkenswert, wie Ross seine vielen Filmminuten mit die Handlung nicht vorantreibenden Quatsch vollmüllt.

    Da ist es nicht verwunderlich, dass die Figuren, obwohl sie in dramatische Extremsituationen geraten, furchtbar oberflächlich bleiben. Selbst Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence, die in “Winter’s Bone” eine so hervorragende Figur machte, bleibt von der Eindimensionalität ihres Charakters hoffnungslos unterfordert. Merke: Ein paar abgedroschene Drama-Klischees (arme, kleine Schwester, toter Vater) um eine Figur zu stricken, reicht nicht aus, um ihr Tiefe zu verleihen. Lawrence’ hübsches Gesicht bekommt – ebenso wie die Fleischwunden – reichlich Close-Ups spendiert, ihre Figur bleibt dennoch glatt.

    Noch düsterer sieht es bei ihrem männlichen Partner aus: Josh Hutcherson ist ein Reinfall, sein Charakter bleibt kreidebleich. Die Szenen, in denen er und Katniss sich Salbe in die Wunden schmieren und dabei durch hölzerne Dialoge stolpern, sind furchtbar schlecht und wurden im vollbesetzten Kino einige Male mit kollektivem Lachen bestraft.

    Da kann manche Nebenrolle (Woody Harrelson, Stanley Tucci, Donald Sutherland) noch so nett besetzt sein und das Design des “Spielfelds” in der TV-Zentrale noch so hübsch aussehen. Die Hungerspiele bleiben ein erschreckend schwacher Film und vergurken ihr großes Potenzial, dass es einem wehtut.



  3. Erwartet: The Hunger Games

    geschrieben am 21. März 2012 von Michael Klitzsch

    Morgen kommt ein Blockbuster in die Kinos, der sich lohnen könnte: “Die Tribute von Panem – The Hunger Games” – eine düstere Zukunftsvision eines Post-Amerikas, in dem die junge Katniss Everdeen sich blutigen Gladiatorenspielen stellt, um ihre kleine Schwester zu beschützen. Der Überlebenskampf wird dabei als Mega-Event live im Fernsehen übertragen.

    Warum sehenswert? Wegen des düsteren Settings, der mächtigen Produktion, die in den USA schon Rekordeinnahmen verbucht hat und allen voran wegen der vielversprechenden Hauptdarstellerin: Die 21-jährige Jennifer Lawrence ist der neue Shooting-Star in Hollywood – dank ihrer beeindruckenden Performance in “Winter’s Bone”.

    “The Hunger Games”, inszeniert von Regissseur Gary Ross (“Seabiscuit”) läuft bei uns ab dem morgigen Donnerstag, 22. März, im Kino. Sobald ich’s gesehen habe, gibt’s hier eine Kritik.



  4. Sonst so: Oscar-Erkenntnisse

    geschrieben am 28. Februar 2012 von Michael Klitzsch

    Ich habe mir wieder die Nacht um die Ohren geschlagen, um die Oscars zu sehen. Hier meine abschließenden Erkenntnisse:

    - Billy Crystal kann im Gegensatz zu Anne Hathaway und James Franco lustig die Oscars moderieren. Als nächstes sollte man Will Ferrell fragen. Oder Ricky Gervais (siehe Golden Globes).

    - Stummfilme im 21. Jahrhundert – das ist wahnsinnig originell und so nostalgisch. Das müssen sich die ergrauten Herren der Academy gedacht haben, als sie “The Artist”, dieses seichte Stück Film, mit 5 Oscars bedachten.

    - Krasseste Fehlentscheidung des Abends: der Kamera-Oscar für “Hugo”. Der hätte an “The Tree of Life” gehen MÜSSEN.

    - Zweitschlimmste: Der Special-Effects-Oscar hätte an “Rise of the Planet of the Apes” gehen MÜSSEN. Ihn bekam: “Hugo”.

    - Beste Entscheidung des Abends: Der Nebenrollen-Oscar für Christopher Plummer für seine Rolle in “Beginners”.

    - Beste Dankesrede des Abends: Christopher Plummer: „Meine Frau verdient den Friedensnobelpreis, weil sie mich an jedem Tag meines Lebens gerettet hat.“

    - Meryl Streep hat jetzt aber auch mal genug Oscars.

    - Gary Oldman sollte endlich mal einen Oscar bekommen.

    - Brad Pitt auch.



  5. Sonst so: Movie – The Movie

    geschrieben am von Michael Klitzsch

    Man sollte ja vorsichtig sein mit Superlativen im Internet – Stichwort: inflationärer Gebrauch. Aber bei dem, was US-Comedian Jimmy Kimmel jetzt online gestellt hat, muss man schon sagen: “Movie: The Movie” ist wohl der ultimative Trailer eines Films, den es niemals geben wird. Und dafür hat er viele, viele, viele Stars vor die Kamera bekommen. Grandios.



  6. Geliebt: Moneyball

    geschrieben am 25. Februar 2012 von Michael Klitzsch

    “It’s threatening the way they do things.
    And every time that happens, whether it’s the government, a way of doing business, whatever, the people who are holding the reins – they have their hands on the switch
    – they go batshit crazy.”


    Tja, wer hätte das gedacht: Weder der gefeierte Stummfilm-Coup “The Artist”, noch der Ich-erklär-Dir-die-Welt-Gigant “The Tree of Life” und schon gar nicht der für Allen-Verhältnisse ziemlich durchschnittliche “Midnight in Paris” haben es geschafft. In diesem Oscar-Jahrgang hat mir persönlich doch tatsächlich dieses Sport(!!!)-Drama über Baseball(!!!) am besten gefallen: “Moneyball”. Ja, steinigt mich ruhig.

    Ich mag es, wenn Regisseur und Drehbuchautor es verstehen, eine klug aufgebaute Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte, die nicht immer die im Rahmen ihres Genres schon dutzendfach ausgetretenen Plot-Wege geht. Mit Figuren, die mich bewegen, die mich mitfühlen lassen. Mir ist es dann auch nicht so wichtig, dass es nicht immer ums große Ganze geht oder der Film technisch eher konventionell aussieht (in Farbe, mit Ton).

    Ich liebe es, wenn diese gute Geschichte dann auch noch dort entsteht, wo man sie nicht unbedingt erwartet, bei einem Thema, das nicht unbedingt dafür prädestiniert ist, eine packende Story hervorzubringen. Sagen wir zum Beispiel: Wenn es darum geht, wie man ein gutes Baseballteam zusammenstellt.

    “Moneyball” ist sicher nicht der perfekte Film, keiner, der einen aus dem Kinosessel bläst. Er hat sogar ein paar klassisch rührselige Momente, die wenig originell sind. Aber “Moneyball” ist eben auch ein Film, den man schätzen kann für seine Erzählkunst. Das tue ich. Ich mag Drehbuchautoren wie Steven Zaillian und Aaron Sorkin, die wissen, wie man verdammt gute Szenen und Dialoge schreibt, Schauspieler wie Brad Pitt, die wenig spektakuläre Rollen in überzeugende, glaubhafte Figuren verwandeln und Regisseure wie Bennett Miller, die alles zu einer stimmigen Geschichte zusammenfügen.

    Also, Ihr lieben Filmliebhaber. Schwärmt ihr ruhig von Dinos, Familiengeschichten und dem Sinn des Lebens, von Stummfilm-Schönheit, von Jungen, die in Bahnhöfen leben, Pferden in Kriegen oder George Clooney im Hawaii-Hemd. Mir wird warm ums Herz, wenn Brad Pitt Stühle gegen Wände wirft, Schreibtische umkippt und Radios zertritt.
    So ist das eben.



  7. Erwartet: Brave (2)

    geschrieben am 24. Februar 2012 von Michael Klitzsch

    Die ruhmreiche Animationsschmiede Pixar präsentiert uns im Sommer ihren neuen Streifen “Brave” (bei uns “Merida – Legende der Highlands”). Hier habe ich Euch den Film schon mal vorgestellt.

    Nun gibt’s einen neuen Trailer zu der Geschichte rund um die rebellische, rothaarige Prinzessin aus den Highlands, der eine zusammenhängende Szene zeigt. Vielversprechend!



  8. Gesehen: The Tree of Life

    geschrieben am 23. Februar 2012 von Michael Klitzsch

    Eins vorweg: Ich erkenne durchaus an, was Terrence Malick mit “Tree of Life” wagt, ich finde es grundsätzlich sehr begrüßenswert, wenn ein Regisseur sich nicht mit dem Aufguss einer schon zigmal erzählten Geschichte zufrieden gibt, wenn er Visionen hat und anspruchsvolles, forderndes Kino schaffen will. Nur zu!

    Das heißt aber natürlich nicht, dass ich automatisch alles mögen muss, was dabei rauskommt.

    “The Tree of Life” hat unfassbar schöne Bilder. Wie nah mich Malick an die Menschen und ihre Umgebung ranlässt, das ist wirklich bemerkenswert. Wie schon in “Der schmale Grat” ist man nie nur distanzierter Beobachter, sondern durch die sehr bewegliche und dennoch so präzise Kamera dauernd ganz dicht dran, man steht neben den Figuren, klettert mit den Kindern die Bäume hoch, spickt mit ihnen durch die Vorhänge, blickt ihnen tief in die Augen. Ja, für diese Kamera ist ein Oscar fällig.

    Dem Film an sich würde ich aber keinen geben. Mag sein, dass “The Tree of Life” für einige die Offenbarung ist und ich kann das ein Stück weit nachempfinden. Für mich persönlich ist “The Tree of Life” ambitioniert, aber schlussendlich nicht überzeugend. Mir ist die Exkursion zu den Sauriern und zur Geburt der Welt zu viel, mir ist das ständige bedeutungsschwangere Flüstern zu viel, die Verknüpfung der Szenen zu lose, das symbolhafte Ende zu kitschig.

    Ich fühlte mich bei “The Tree of Life” von Malicks großen Thesen (Gnade, Natur) erdrückt, sie lassen mir keinen Raum, wirklich in die Welt der Familie O’Brien oder überhaupt in eine Geschichte einzutauchen. Ich sehe einen traurig dreinblickenden, Fahrstuhl fahrenden Sean Penn, einen grimmigen Papa, eine liebende Mutter, zerrissene Kinder. Aber das ist mir zu wenig und gleichzeitig zu dick aufgetragen, zu pauschal, ich hätte gern mehr Zusammenhänge, mehr Greifbares, mehr Geschichte. Stattdessen gibt es nur Schönheit, große Fragen, Symbole.

    Am Ende ist “Tree of Life” wohl einfach nicht mein Film. Und Malick vielleicht auch einfach nicht mein Regisseur. Auch wenn er wunderwunderschöne Bilder auf die Leinwand zaubert.



  9. Erwartet: The Bourne Legacy

    geschrieben am 14. Februar 2012 von Michael Klitzsch

    Matt Damon hat als Hauptdarsteller der Bourne-Filme eine viel beachtete Action-Trilogie gelandet, doch jetzt ist es Zeit für eine Wachablösung an der Agenten-Front: In “The Bourne Legacy” geht es nicht mehr um Agent Jason Bourne (Damon), sondern um den neuen CIA-Vorzeige-Profi Aaron Cross – gespielt von Jeremy Renner.

    Regisseur Tony Gilroy, der auch die ersten drei Bourne-Filme inszenierte, könnte damit die optimale Besetzung für einen Neustart der Serie gefunden haben, der erste Eindruck von Renner in der Bourne-Nachfolger-Rolle fällt auf jeden Fall relativ großartig aus. Der 41-jährige Kalifornier hat durchaus schauspielerische Tiefe und passt in harte Action-Settings: Das hat er unter anderem an der Seite von Tom Cruise im neuesten Mission-Impossible-Ableger, in “The Town” oder im oscargekrönten “The Hurt Locker” bewiesen.

    Auch im aktuellen Trailer zum vierten Bourne-Film macht Renner – nachdem sich nach einer Minute endlich die nervigen Streifen gelichtet haben – eine hervorragende Figur. Zu meiner Vorfreude trägt zudem der Auftritt von Edward Norton bei, ein Top-Schauspieler, den ich immer gern bei seiner Arbeit zusehe.

    “The Bourne Legacy” soll in Deutschland am 13. September dieses Jahres in die Kinos kommen.



  10. Gesehen: The Artist

    geschrieben am von Michael Klitzsch

    Hm, irgendwie lassen mich die bisher gesichteten Oscar-Kandidaten in diesem Jahr weitgehend kalt. Auch der viel gepriesene “The Artist” hat bei mir leider keine Begeisterung ausgelöst.

    Und das liegt ganz und gar nicht an der viel Aufsehen erregenden Tatsache, dass “The Artist” nicht nur schwarz-weiß, sondern tatsächlich als Stummfilm daherkommt. Denn in diesem Punkt funktioniert der Film des französischen Regisseurs Michel Hazanavicius ganz hervorragend. Das liegt nur bedingt an dem stilechten, aber doch sehr dudeligen Orchester-Soundtrack, aber dafür um so mehr an den hervorragenden Darstellern, allen voran Jean Dujardin und Bérénice Bejo. Beide sprühen nur so vor Charisma und Ausdrucksstärke und geben mit ihrer Performance diesem Film erst seine Seele. Ich könnte sehr gut damit leben, wenn der Oscar für den Hauptdarsteller tatsächlich an Dujardin geht – seine Performance ist großes Kino.

    Der Film selbst – sieht man irgendwann über die vielen Verbeugungen vor den Klassikern und die absolut stilvolle Inszenierung hinweg – ist dann aber gar nicht so überragend. Der Plot spielt zwar mit einigen netten Einfällen – wie etwa der Traum von Valentin, in dem er auf einmal Geräusche hört, aber selbst nicht mehr sprechen kann –, ist mir über die Laufzeit des Films von 100 Minuten dann aber doch zu seicht und simpel: Der strahlende Held fällt, scheitert, wird gerettet – und findet am Ende recht plötzlich doch noch was, was er mit seiner Geliebten vor der Kamera tun kann.

    Schlussendlich ist “The Artist” für mich ein kleiner Blender. Seine Form ist außergewöhnlich, seine Schauspieler (auch John Goodman und James Cromwell in den Nebenrollen) sind ziemlich großartig. Doch die eigentliche Geschichte ist weit weniger witzig und originell, ja im Kontrast zur Form fast schon dröge.